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Recruitment

Fachkräftemangel im Handwerk: Zahlen für Bayern und was Betriebe jetzt tun können

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist in Bayern längst Alltag. Wir ordnen die aktuellen Zahlen für die wichtigsten Gewerke ein und zeigen, mit welchen konkreten Schritten Betriebe trotzdem passende Mitarbeiter gewinnen.

In vielen bayerischen Handwerksbetrieben gehört es inzwischen zum Alltag: Die Auftragsbücher sind voll, aber es fehlen die Leute, um die Arbeit zu erledigen. Aufträge werden verschoben oder abgelehnt, das bestehende Team macht Überstunden, und die Stellenanzeige läuft seit Monaten ohne passende Bewerbung.

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist kein Gefühl, sondern lässt sich in Zahlen fassen. Diese Zahlen zeigen zweierlei: wie eng der Markt tatsächlich ist – und dass klassische Wege der Personalsuche allein nicht mehr ausreichen. Wer heute Fachkräfte gewinnen will, muss anders vorgehen als noch vor zehn Jahren.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Zahlen es zum Fachkräftemangel in Bayern und in den wichtigsten Gewerken gibt, was sie für Ihren Betrieb bedeuten und welche konkreten Maßnahmen Sie ergreifen können.

Die Lage in Bayern: Zahlen und Prognosen

Für Bayern insgesamt zeichnen die verfügbaren Daten ein klares Bild. Die wichtigsten Kennzahlen:

  • Arbeitskräfte fehlen heute schon: Laut IHK-Arbeitsmarktradar Bayern 2026 des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags fehlten der bayerischen Wirtschaft 2024 rund 137.000 Arbeitskräfte. Bis 2029 soll die Lücke auf rund 217.000 steigen.
  • Vor allem beruflich Qualifizierte: Laut derselben Auswertung fehlen vor allem Fachkräfte mit Berufsausbildung – also genau die Gesellen und Facharbeiter, die das Handwerk braucht. Für die Bauelektrik wird dort eine Lücke von rund 5.000 Fachkräften erwartet.
  • Langfristige Prognose: Das Bayerische Wirtschaftsministerium nennt in einer Pressemitteilung vom 16.09.2025 einen prognostizierten Fachkräfteengpass von über einer halben Million Fachkräften in Bayern für das Jahr 2030.

Es gibt auch positive Signale: Laut derselben Pressemitteilung wurden im bayerischen Handwerk bis September 2025 rund 22.100 Ausbildungsverträge abgeschlossen, ein Plus von 5,3 Prozent. Das hilft mittelfristig, löst aber nicht das Problem, dass heute erfahrene Gesellen fehlen.

Die Lage in den Gewerken

Bundesweite Zahlen zeigen, wie unterschiedlich stark einzelne Gewerke betroffen sind:

  • Garten- und Landschaftsbau: 2025 gab es 7.153 offene Fachkräftestellen bei einer Fachkräftelücke von 3.658. Mehr als jede zweite Stelle ist damit rechnerisch nicht passend zu besetzen (KOFA Kompakt 06/2026).
  • Sanitär, Heizung, Klima: Engpass-Punktwert 2,5 von 3. Ab 2,0 gilt ein Beruf bei der Bundesagentur für Arbeit als Engpassberuf (BA-Engpassanalyse 2025).
  • Bauelektrik: Engpass-Punktwert 2,7 von 3 (BA-Engpassanalyse 2025).

Für Sie als Inhaber heißt das: Auf eine offene Stelle kommen in vielen Gewerken kaum passende Bewerber, die aktiv suchen. Die Fachkräfte, die Sie brauchen, sind fast alle bereits in Arbeit – bei einem anderen Betrieb.

Was der Mangel für Ihren Betrieb bedeutet

Der Fachkräftemangel ist keine abstrakte Statistik. Er hat direkte Folgen für jeden Betrieb:

  • Umsatz bleibt liegen: Im Elektrohandwerk liegt der Umsatz je Beschäftigtem laut Destatis Handwerkszählung 2024 bei 148.730 € pro Jahr, also rund 676 € pro Arbeitstag. Jede unbesetzte Stelle fehlt in dieser Größenordnung. Umsatz ist nicht Gewinn, aber die Richtung ist klar.
  • Das Team wird überlastet: Überstunden und Wochenendarbeit erhöhen das Risiko, dass weitere Mitarbeiter kündigen.
  • Kunden warten länger: Lange Wartezeiten kosten Folgeaufträge und Empfehlungen.
  • Wachstum stockt: Neue Geschäftsfelder wie Wärmepumpen oder Photovoltaik lassen sich ohne Personal nicht ausbauen.

Der Wettbewerb um Aufträge ist in vielen Gewerken in einen Wettbewerb um Mitarbeiter übergegangen.

Der wichtigste Perspektivwechsel: Vom Suchen zum Überzeugen

Wenn kaum jemand aktiv sucht, reicht es nicht, eine Anzeige zu schalten und abzuwarten. Die entscheidende Zielgruppe sind Fachkräfte, die einen Job haben, aber offen für etwas Besseres sind. Diese Menschen müssen Sie überzeugen, nicht nur informieren.

Die vier Themen, die über einen Wechsel entscheiden

  • Geld: eine konkrete Zahl statt „leistungsgerechte Bezahlung“.
  • Zeit und Planbarkeit: verlässliche Einsatzplanung, faire Bereitschaft, pünktlicher Feierabend.
  • Chef und Team: ein erreichbarer Chef, feste Partner, echte Wertschätzung.
  • Ausstattung und Perspektive: eigenes Fahrzeug, gutes Werkzeug, Weiterbildung, neue Technik.

Wer diese Themen konkret beantwortet, formuliert ein Wechselangebot statt einer austauschbaren Stellenanzeige.

Beispiel Heizungsbau

Im Heizungsbau zeigen sich diese Themen ganz konkret. Typische Fragen wechselbereiter Monteure sind: „Wie oft bin ich am Wochenende dran?“ (Notdienst und Bereitschaft), „Lerne ich bei euch noch was Neues?“ (Wärmepumpe statt nur Kesseltausch), „Muss ich ständig zum Großhandel fahren?“ (eigenes Servicefahrzeug) und „Wann bin ich abends daheim?“ (Touren in der Region). Wer auf diese Fragen eine ehrliche, konkrete Antwort hat, hebt sich von den meisten Anzeigen ab.

Was Betriebe konkret tun können: fünf Maßnahmen

Diese Maßnahmen können Sie unabhängig von der Betriebsgröße umsetzen:

1. Das eigene Angebot ehrlich prüfen

Fragen Sie Ihr Team, warum die Leute bei Ihnen bleiben. Dort finden Sie die stärksten Argumente für neue Mitarbeiter – und die Schwachstellen, die Sie angehen sollten.

2. Das Angebot konkret formulieren

Aus „moderner Fuhrpark“ wird „eigenes Servicefahrzeug mit kompletter Ausstattung“. Aus „flexible Arbeitszeiten“ wird „Freitag ab 13 Uhr frei“ – natürlich nur, wenn es stimmt.

3. Dort werben, wo Fachkräfte ihre Freizeit verbringen

Wechselbereite Handwerker erreichen Sie über Anzeigen auf Instagram und Facebook im Umkreis Ihres Betriebs, nicht nur über Jobbörsen.

4. Schnell reagieren

Wer sich meldet, erwartet eine Rückmeldung innerhalb kurzer Zeit. Legen Sie fest, wer im Betrieb Anfragen annimmt.

5. Die eigenen Leute halten

Jede Kündigung verschärft die Lage. Planbarkeit, Feedback und Weiterentwicklung sind die günstigste Form der Personalgewinnung.

Ausbildung, Quereinsteiger und Fachkräfte aus dem Ausland

Neben der Gewinnung erfahrener Fachkräfte gibt es weitere Wege, die sich ergänzen:

  • Ausbildung: Wer heute ausbildet, sichert sich die Fachkräfte von morgen. Die steigenden Ausbildungszahlen im bayerischen Handwerk zeigen, dass sich Engagement lohnt.
  • Quereinsteiger: Für manche Tätigkeiten lassen sich Menschen aus verwandten Berufen einarbeiten.
  • Fachkräfte aus dem Ausland: Ein möglicher Weg, der aber Zeit und Vorbereitung erfordert. Informationen geben die Handwerkskammer und die Agentur für Arbeit.

Kurzfristig bleibt für die meisten Betriebe jedoch die Gewinnung von Fachkräften aus der Region der wichtigste Hebel. Wie Sie dafür ein überzeugendes Angebot entwickeln, zeigt unser kostenloser Leitfaden „Das Wechselangebot“ für Ihr Gewerk – mit Selbstcheck, den vier Wechselgründen, Vorher-Nachher-Anzeigen und einem 30-Tage-Plan.

Häufige Fragen und praktische Antworten

Welche Handwerksberufe sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen?

Laut BA-Engpassanalyse 2025 gehören unter anderem Sanitär, Heizung, Klima und die Bauelektrik zu den Engpassberufen. Im Garten- und Landschaftsbau ist laut KOFA mehr als jede zweite offene Stelle rechnerisch nicht passend zu besetzen.

Wird der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren kleiner?

Die verfügbaren Prognosen für Bayern gehen von einer wachsenden Lücke aus. Laut IHK-Arbeitsmarktradar Bayern 2026 steigt die Zahl der fehlenden Arbeitskräfte bis 2029 deutlich an.

Lohnt es sich für kleine Betriebe, aktiv um Fachkräfte zu werben?

Ja. Gerade kleine Betriebe haben oft Vorteile, die große nicht bieten können: kurze Wege, einen erreichbaren Chef, feste Teams. Diese Vorteile müssen nur sichtbar gemacht werden.

Reicht eine Anzeige bei der Agentur für Arbeit?

Dort erreichen Sie aktiv Suchende. Da die meisten Fachkräfte in Arbeit sind, sollten Sie zusätzlich dort werben, wo diese Menschen ihre Freizeit verbringen, etwa auf Instagram und Facebook.

Zusammenfassung: Der Mangel ist real – aber nicht ausweglos

Die Zahlen für Bayern und für die wichtigsten Gewerke zeigen: Fachkräfte sind knapp und werden knapper. Betriebe, die weiter nur auf aktiv Suchende warten, verlieren den Wettbewerb um Mitarbeiter. Wer dagegen ein konkretes Wechselangebot formuliert und es gezielt an Fachkräfte im eigenen Umkreis ausspielt, hat gute Chancen, die richtigen Leute zu gewinnen.

BLUE THE WEB entwickelt mit Ihnen das Wechselangebot und spielt es als Performance-Anzeige auf Instagram und Facebook an Fachkräfte in Ihrer Region aus. Jede Kampagne läuft drei Monate. Kommt in dieser Zeit keine qualifizierte Bewerbung, arbeiten wir ohne Betreuungshonorar weiter, bis qualifizierte Bewerber kommen. Das Werbebudget tragen Sie weiterhin selbst.

 

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Thomas SchmalzlGeschäftsführer, BLUE THE WEB

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